Wirtschaftsforum Neuwied
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vlnr: Frank Wolsfeld (WiFo) Lothar Melms (WiFo) Cornelius Kirsche (WiFo) Hans-Dieter
Neuer (ZOO) Hans-Jörg Assenmacher (Initiative Koblenz-Mittelrhein) Marion Blettenberg
(WiFo) Thomas Velten (Flohr AG) Dr. Heribert Wiedenhues (Referent) Philipp Engel (Flohr AG)
Michael Gassen (WiFo) Christoph Pinkemeyer (WiFo)

2. WiFo Energie-Gipfel: „Es steckt viel Energie in der Region“

Wasserstoff und Energie aus Biomasse standen im Mittelpunkt

Im Zoo Neuwied fand der 2. Energie-Gipfel des Neuwieder WirtschaftsForums, in Kooperation mit der Initiative Koblenz Mittelrhein und dem Zoo statt. Kein Zufall, denn die Freizeiteinrichtung mit einem 90km großen Einzugsgebiet ist gleichzeitig ein bedeutender Wirtschaftsbetrieb mit hohem Energiebedarf. Geschäftsführer Hans-Dieter Neuer verwies auf die aufwendige Unterbringung der Tiere zu artgerechten klimatischen Bedingungen. Begonnen mit dem Menschenaffenhaus und fortgesetzt mit der Südamerika Halle ist der Zoo damit zu einem ganzjährig attraktiven Anziehungspunkt geworden. Für die Zukunft kündigte Hans-Dieter Neuer weitere Neubauten an. Mit Hinweis auf Großspender, die zuletzt den Neubau der Zooschule ermöglichten und Tausenden von Kleinspendern, die den Zoo in der Corona-Krise vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrten, unterstrich der Geschäftsführer die große Identifikation der Menschen mit der Einrichtung.

Vor so viel gesellschaftliches Engagement zog Hans-Jörg Assenmacher den Hut. Für den Vorsitzenden der Initiative Koblenz-Mittelrhein wird damit die Stärke der Region unter Beweis gestellt. „Es steckt viel Energie in der Region“, sagte Hans-Jörg Assenmacher und meinte das nicht nur im übertragenden Sinne. Die Vernetzung innerhalb der Region berge viele Potentiale auch bei der Energieerzeugung. Der Sprecher der Initiative bedankte sich beim WiFo für das Voranbringen des Themas, bei dem derzeit viel Bewegung drin sei. Als Leuchtturmprojekte nannte er die Wasserstoffproduktion in Kaisersesch. Die Fahrzeuge der Verbandsgemeinde sollen zukünftig auf Wasserstoff umgestellt werden.

„Ein schönes Beispiel, um den Menschen die Angst zu nehmen“, kommentierte Dr.-Ing.h.c. Heribert J. Wiedenhues die Anstrengungen im Hunsrück. U-Boote würden längst mit Wasserstroff betrieben und könnten theoretisch 365 Tage unter Wasser bleiben. Der Experte ließ keinen Zweifel daran, dass Wasserstoff der Energieträger der Zukunft sein wird aber aufgrund des großen Bedarfs zunächst nur der Industrie zur Verfügung stehen wird. Grünen Wasserstoff, also erzeugt aus Solar- und Windenergie, wird Deutschland zu einem großen Anteil importieren müssen. Unter deutscher Beteiligung entstünde derzeit eine Produktionsstätte in Griechenland. Ab 2025 soll dieser Wasserstoff über das Meer nach Deutschland verschifft werden. Umgebaute LNG-Terminals werden zur Anlandung dienen. Dr.-Ing. h.c. Heribert. J. Wiedenhues erläuterte die Herausforderungen Wasserstoff zu produzieren, unter 700bar zu transportieren und zu lagern. Der Gastredner unterstrich, dass der deutsche Maschinen- und Anlagenbau in der Lage sei, bei der Technologie weltweit die treibende Kraft zu werden. Und zwar nicht nur in einzelnen Prozessen, sondern in der kompletten Anlage. Angesichts der Lieferkettenproblematik forderte er auf, externe Fertigungen zurück nach Deutschland zu holen.

Die lokale Energieerzeugung, im BHKW Flohr, völlig unbeeinträchtigt von globalen Krisen, stellten Philipp Engel (COO Flohr AG) und Betriebsleiter Thomas Velten vor. Auf einer 12×5 Meter großen Rostfläche werden jährlich 200.000 Tonnen Holz verbrannt. Mittels dem erhitzten Wasserdampf wird eine Hochleistungsturbine angetrieben, die jährlich 47.000 Megawattstunden Strom produziert. Die rund 100.000 Tonnen Dampf, bislang ungenutzt, könnten zukünftig genutzt werden, um rund 5.000 Häuser mit Fernwärme zu versorgen.
Mit dieser Nachricht überraschte Jürgen Kirsch (Iqony) die rund 70 Besucher. Das Fernwärme Unternehmen, Betreiber von 100 dezentralen Anlagen mit 1.200km Wärmenetzlänge, strebt mit den SWN Neuwied und der Flohr AG eine Partnerschaft an. „Unser erstes Ziel ist es, das Bestandsnetz zu dekarbonisieren. Bis 2030 ist der Netzausbau in den Bereichen Innenstadt und Distelfeld denkbar“, verriet Jürgen Kirsch. Rückenwind erhält das Trio vom Gesetzgeber. Bekanntlich hat die Bundesregierung die kommunale Wärmeplanung beschlossen. Das Gesetz ist die Vorstufe zum Gebäudeenergiegesetz „Heizungsgesetz“. In ihrem Schlusswort gratulierte die WiFo Ehrenvorsitzende Brigitte Ursula Scherrer dem Trio zur angestrebten Kooperation und dem klaren Willen, den Wärmenetzausbau in Neuwied, mit einem verlässlichen und grünen Energieträger, auszubauen. Die spannenden und interessanten Beiträge des Abends boten den Besuchern im Anschluss allerhand Stoff für angeregte Gespräche in geselliger Atmosphäre.

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